Was ist ein Archiv?

Der Begriff „Archiv“ ist im heutigen Sprachgebrauch mehrdeutig. Neben der Tatsache, dass viele Menschen im Rahmen unseres direkten Sachbezugs – der E-Mail-Archivierung – Probleme haben, ihn exakt vom „Backup“ abzugrenzen, steht er mindestens für a) ein Gebäude  und b) für eine Institution oder Organisationseinheit zur systematischen Aufbewahrung von Dokumenten. Kümmert man sich um ersteres nicht ausreichend, fällt es in ein Loch, zweiteres stürzt ohne Pflege ins Chaos. In beiden Fällen verschwinden Informationen, unwiederbringlich.

Zur Abgrenzung von Archiv zu Backup habe ich im englischen Blog letzthin einiges geschrieben. Der Wortursprung hingegen ist eindeutig: Etymologische Lexika wie der Kluge verweisen auf das altgriechische Verbum „archein“ und seinen Wortsinn „herrschen, befehligen“. Daraus hat sich in Athen und Umgebung in den Jahrhunderten vor Christus das „archeion“ entwickelt, das Amtsgebäude. Römer hingegen behielten die Bedeutung, haben nur ein paar Laute verschoben und nannten es fortan „archium“. Wer genau ein „V“ hineingeschmuggelt hat, bleibt im Nebel der frühmittelalterlichen Sprachgeschichte verborgen. Wahrscheinlich war es ein gelangweilter Mönch, der mal wieder eine platonische Schrift in mehrjähriger Mühsal im Skriptorium kopiert hatte und dabei noch einen Konsonanten übrig behielt.

Analoges Archiv (Quelle: ITS)

Analoges Archiv (Quelle: ITS)

Die Verschmelzung von Ort und Funktion im Wortsinne dürfte zur selben Zeit stattgefunden haben. Das Prinzip jedoch war allen antiken Hochkulturen bekannt, egal wie sie es nannten. „Vordringliche Intention des Sammelns und Archivierens ist dabei – von den Anfängen bis in die Gegenwart – die Sicherung von Recht und Besitz.“ Die digitale Zeit wiederum brachte eine weitere Aufweichung der Begrifflichkeit hin zur reinen Aufbewahrungseinheit. Ein Panzerschrank, in den in regelmäßigen Abständen Magnetbänder gelegt werden, war nie und wird niemals sein: Ein Archiv. Wurde und wird aber so genannt. Der essentielle Nutzen von Archiven – die Erschließung und Nutzung von Archivalien – tritt dabei völlig in den Hintergund (Bei MailStore übrigens nicht, aber das nur am Rande.).

Dass Kulturwissenschaftler und Philosophen wie der französische Poststrukturalist Michel Foucault unter einem Archiv eher den gesamten Wissenspeicher einer Gesellschaft – mehr noch: all das, was gesagt werden kann – verstehen, deutet einigermaßen folgerichtig auf die Wirkweise von Begriffsgeschichte. Vom Tun über den Ort hin zum Möglichen. Wir bei MailStore beschränken uns auf das Machbare (wobei wir uns den Luxus erlauben, die Metaebene stets im Blick zu haben) und halten es ganz mit den Verantwortlichen beim deutschen Bundesarchiv, die Ihre Aufgabe schlicht darin sehen, „Archivgut auf Dauer zu sichern und nutzbar zu machen“.

Teilen

Kommentarfunktion geschlossen.